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Einleitung

1995
- Seoul
- Puyo
- Pulguk-Sa
- Shimonoseki
- Hiraizumi
- Takamatsu
- Deutschland

1997
- Kagoshima
- Kyongju
- Sapporo
- Deutschland

Glossar, Literatur, Bücher

Bilder:

Teil 3

Am 13. Mai per Bus nach Pusan, dann steigen wir nach Chinju um. Es regnet heftig, wie gut dass wir den Tag für die Weiterfahrt eingeplant haben. So sitzen wir im trockenen Bus und sehen den anderen beim Nasswerden zu. Chinju ist ein bisschen enttäuschend, aber preiswert und gut zu Fuss zu erleben. Auf dem Gelände der ehemaligen Festung steht zum Gedenken an eine Prostituierte ein Schrein, mit dem sich eine typisch koreanische ergreifende Geschichte verbindet. Während der japanischen Invasionsversuche im 16. Jahrhundert wurde die Festung nach härtestem Widerstand der Verteidiger schliesslich von japanischen Soldaten erobert. Beim folgenden Siegesfest der Japaner versprach ein schönes koreanisches Freudenmädchen dem japanischen General ein Schäferstündchen an einem ruhigen Ort. Zusammen gingen sie in ein Wäldchen am Rand der Festung. Dort umarmten sie sich, das Mädchen umklammerte den General, lockte ihn etwas weiter und stürzte sich mit ihm über die nahegelegenen Klippen. Beide kamen ums Leben.

Von der alten Kaya-Kultur (das kleinste der frühen Königreiche bis 500 n. Chr.) ist nichts übrig, nicht einmal im Museum wird sie ausführlicher beschrieben. Kurz vor Chinju sind ganze Berge mit kleinen Hügelgräbern überzogen, hügelige Nekropolen. Jedes sichtbare Grab ist sorgfältig gepflegt. Das ist erstaunlich, weil diese Art der Bestattung schon seit über tausend Jahren nicht mehr praktiziert wird. Grabräubereien sind selten. Koreaner sind sich ihrer langen und kontinuierlichen Geschichte sehr bewusst, die neokonfuzianische Ahnenverehrung der letzten 600 Jahre spielt auch heute noch eine wichtige Rolle. Selbst kleine Gauner machen um grosse, reiche Königsgräber einen Bogen.

Wir kommen in einem Yogwan unter, das offenbar hauptsächlich als Stundenhotel genutzt wird, was sich allerdings erst später herausstellt. Dafür ist es sauber. Die Ajimah (Hauswirtin) versucht trotzdem am Tag darauf, noch einmal extra über den vereinbarten Preis hinaus nachzukassieren. Sie war wohl überrascht, dass wir wirklich übernachtet haben und nicht nur eine flotte Stunde im Zimmer verbringen wollten.

Der letzte volle Tag in Chinju verläuft ganz koreanisch: Wir versuchen in den Chirisan-Nationalpark vorzudringen - wir verzeichnen dabei einen Teilerfolg. Die Busse fahren nicht einmal bis zu den angegebenen Zielen, wir müssen auf Betonstrassen weiterwandern. Würde die Strasse mit den vorbeibrausenden Autos nicht stören, wäre der Nationalpark ein Erlebnis mit ungebändigten, rauschenden Bergbächen, Urwald, eine richtige "grüne Hölle". Natürlich sind die Strassen für den Verkehr gesperrt, aber darum kümmert sich niemand. Allein bis zum Anfang der ruhigeren Wanderwege ist es ein Tagesmarsch. Trotzdem sieht man sehr viel: Unheimlich viele verschiedene Baumarten mit traumhaft schönen Blüten, Schmetterlingsschwärme, überall brausende, klare Wildbäche und ringsum hohe Berge, deren Spitzen in den Wolken verschwinden. In der feuchtwarmen Hitze fällt es schwer, bergan zu steigen. Die Vegetation ist aus der Nähe gesehen von nie gekannter Vielfalt, der deutsche Wald wirkt dagegen wie eine künstliche Plantage sehr weniger Pflanzen. Jedes Gewächs scheint nur mit ein paar Exemplaren vertreten, die an anderer Stelle im Wald nicht wieder auftauchen. Der Bewuchs bildet meist ein undurchdringliches Dickicht, das in höheren Lagen nur über wenige Trampelpfade begehbar ist.

Zurück in Chinju lässt sich meine Mitreisende auf dem Markt betrügen, dann haben wir das oben erwähnte Erlebnis mit der Ajimah. Preisauszeichnungen sind generell völlig unbekannt, es gibt keine Quittungen, keine Belege ... für manches schwarze Schaf eine goldene Einladung zum Ablinken, wenn man nicht ständig auf der Hut ist. Im Verhältnis zu den vielfältigen Betrugsmöglichkeiten ist die Zahl der wirklichen Betrüger trotzdem eher klein. Wir nehmen es nach Landessitte mit Gelassenheit und geniessen im Übrigen die erstklassige koreanische Küche.

Meine Mitreisende fliegt wie geplant mit dem Flugzeug über Tokyo zurück, ich werde allein weiterreisen. Doch erst müssen wir nach Pusan zum Flughafen kommen. Der Chinju-Bus endet in einem völlig unbekannten, abgelegenen Busterminal ohne jegliche Informationen. Wir nehmen auf gut Glück einen lokalen Bus und steigen nach Gefühl aus. Wir haben Schwein, in letzter Sekunde erreicht meine Mitreisende den Flughafen. Den Rest des Tages verbringe ich mit Einkaufen, Schlendern, Ausruhen und Organisation der Rückfahrt nach Japan. In einem Geschäft für Chaledonwaren (berühmte koreanische Töpferwaren mit grünlicher Glasur) erkennt mich die Besitzerin wieder. Ich war vor zwei Jahren schon einmal hier.

Pusan verändert sich - wie der Rest von Korea - rasend schnell. Ein Viertel der Stadt ist eine riesige Baustelle. Gebaut werden vor allem Strassen, Büro- und Wohnhochhäuser, für den öffentlichen Nahverkehr wird wenig getan. Angesichts des furchtbaren Dauerstaus bis in die kleinsten Gassen wird diese Entwicklung noch böse Früchte tragen. Für mich waren die Auswirkungen des Strassenverkehrs das grösste Ärgernis in Korea.

Eine Zeitlang sitze ich noch im Fährterminal draussen im Hafen. Als Europäer habe ich in Korea niemals Probleme mit den Einreisebeamten - in Japan fragt man detailliert nach dem woher und wohin, hier unterhält sich der koreanische Grenzer mit mir ein paar Minuten lang über die koreanische Küche und Deutschland. Das Schiff legt gegen 18:00 Uhr ab, über Nacht geht es zurück nach Japan. Es ist eine ruhige Nacht, wenig Raucher, wenig lautes Volk. Mit an Bord reisen andere Europäer und Amerikaner, die vorher als Englischlehrer in Korea gejobbt haben. Es gab kürzlich Razzien gegen illegale Sprachlehrer. Vormals waren Sprachlehrerjobs eine prima Möglichkeit für Langzeitreisende, etwas zu verdienen. Eine lange Nase genügte, um als Englischlehrer an Privatschulen eingestellt zu werden. Bisher hat der Staat weggesehen, weil gar nicht genug offizielle Lehrer verfügbar waren.

Am nächsten Morgen in Japan klappt nichts mehr: Extrem gründliche Zollkontrolle, das Japan-Rail-Einlösebüro für den Railpass öffnet erst um 10:00 Uhr, keine Bank zum Geldtausch in der Nähe. Ich nehme den Shinkansen ab Kokura, bin "erst" gegen 17:00 Uhr in Tokyo, um dort meine Bekannte zu treffen. Doch am nächsten Tag fahre ich gleich weiter. Es zieht mich nach Norden, Richtung Hokkaido, vielleicht ist dort das Klima schon zum Reisen geeignet? Statt die Nachtverbindung zu nehmen, fahre ich die 1200 Kilometer tagsüber, ich bin den ganzen Tag unterwegs. Ab Morioka wird es unangenehm kühl, ich merke es beim Umsteigen vom Shinkansen in den Expresszug, ausserdem regnet es ab und zu. Zum Glück sitze ich im Seikan-Tunnel diesmal auf der richtigen (linken) Seite, um die poppigen Lichtspiele an der Tunnelwand zu sehen. Sie wurden sogar ausgebaut, diesmal ist ein richtiger Film zu sehen: An der Tunnelwand hängen Lichtbilder, die sich bei der hohen Geschwindigkeit des Zuges zu Filmen zusammenfügen.

Überraschenderweise sind die Wälder auf Hokkaido (17. Mai) kahl, die Bäume beginnen erst mit dem Austrieb, aber der Frühling ist nicht mehr aufzuhalten. Oberhalb etwa 800 Meter Höhe liegt noch Schnee.

Abends fahre ich mit U-Bahn und Bus nach Sapporo Nishino-ku, um die Familie Okajima zu besuchen. Akiko Okajima habe ich auf einer meiner letzten Reisen kennengelernt, seither sind wir immer per E-Mail in Verbindung geblieben. Der Vater lotst mich am Telefon über U-Bahn und Bus in die Nähe des Hauses, um mich schliesslich die letzten Meter mit dem Auto abzuholen. Er ist pensionierter Landwirtschaftsprofessor der Hokkaido-Universität, hat in vielen Ländern Asiens gelebt. Die ganze Familie spricht gut Englisch, er spricht sogar ein bisschen Deutsch. Seine ersten Deutschen sah er in Gestalt einer Abordnung der Hitler-Jugend. Er war damals schwer beeindruckt von ihnen, er fotografierte sie sogar. Auf dem Foto stehen sie stramm mit Hakenkreuz auf der Armbinde und Hitlergruss da. Schluck. Mir fällt kein geistreicher Kommentar ein.

Alle nehmen mich sehr herzlich in die Familie auf. So herzlich, dass es mir schon wieder peinlich ist. Ich bin es nicht gewöhnt, vollständig bedient zu werden, wenn auch nur für wenige Tage. Es macht ihnen offenbar Freude, einen Gast bei sich zu haben. Im Haus herrscht japanische Perfektion. Mich überrascht die elektrisch beheizte Klobrille (schaltet sich bei Andruck von Ruhestrom "lauwarm" auf Aufheizen "warm"). An den Wänden hängen teilweise die Werke der Eltern, die sich nach dem Berufsleben als Hobbykünstler (Aquarelle und Kalligraphien) betätigen. Das Elternschlafzimmer ist in japanischem Stil gehalten. Ich bekomme ein eigenes Zimmer, das der weggezogenen grossen Schwester. Es ist nach westlichem Stil mit Bett und Teppich ausgestattet. Vom Schlafanzug in meiner Grösse bis zum Mineralwasser steht alles bereit. Die Mutter bedient mit absoluter Selbstverständlichkeit, selbst Tochter Akiko geht ihr kaum zur Hand. Sie sagt wenig, hört aber genau zu und versteht alles. Nur einmal, als ich erzähle, dass in Europa auch einige wenige Männer statt zu arbeiten ein Leben als Hausmann führen, und dieser Trend in den letzten Jahren sogar etwas zugenommen habe, stimmt sie dieser Idee heftiger als sonst zu. Ihr Mann sagt leicht betreten, dass so etwas in Japan wohl niemals passieren wird.

Man ist weitgehend aufgeklärt und weltoffen, irgendwie könnten sie alle genausogut in anderen Ländern leben. Bis auf den sichtbaren Hang zur Perfektion wirken sie amorph, stark anpassungsfähig. Das bleibt jedoch nicht ohne doppelten Boden, wie so oft in Japan: Bevor man drei Birken im Garten wegen ihrer Grösse umgesägt hat, hat der Agrarprofessor einen Shinto-Mann herberufen. Der opferte im Priesterkleid in einer kleinen Zeremonie Sake (Reiswein), bat die drei Geister der Birken um Verzeihung, drängte sie sanft zum Umzug. Akiko erzählte mir ganz selbstverständlich, wie sich in der Nacht bevor die Bäume umgesägt wurden, weisse Birkenfrauen von ihr im Traum verabschiedet hatten. Ist dies auch ein Ausdruck der Harmonie, in der sich viele Japaner mit der Natur sehen? Aus europäischer Sicht betrachtet mag es als Folklore abgetan werden, aber diese Verbindung ist wesentlich tiefer im Geistigen verwurzelt, auch bei gebildeten und westlich orientierten Menschen. Nicht, dass das Naturverständnis die Japaner im grossen und ganzen letztendlich dazu bringt, besonders schonend mit der Umwelt umzugehen. Aber die Tatsache, dass der Mensch nur ein Teil der lebenden Natur ist und sich nicht von ihr entfernen kann, ist in Japan kein vielzitierter Sonntagsspruch, sondern eine tief verinnerlichte Realität.

Einen Tag lang schlendere ich mit Akiko durch Sapporo, durch den interessanten botanischen Garten, durch Kaufhäuser, wir essen erstklassige Ramen-Nudeln in einer typischen zwei Meter breiten Nudelbar, sehen uns ihr neues Büro an, in dem sie bald ihre eigene Firma gründen wird.

19. Mai. Zu gemütlicher Tageszeit geht es nach Noboribetsu, in ein gigantisches Mineralbad. Im Gepäck habe ich belegte Brote und Getränke, die mir die fürsorgliche Mutter eingepackt hat. Dort gibt es an die 40 unterschiedlich gestaltete Pools mit elf verschiedenen Sorten von Mineralwasser. Es gibt noch eine Sauna (mit Teppich!), Dampfbäder, ein Aussenbecken mit Bar, eine Superrutsche und natürlich Schwimmbecken mit normalem Wasser. Der Eintrittspreis ist nicht ganz billig, aber für eines der besten Mineralbäder der Welt ist es nicht zu teuer. Die Werbung verspricht vollmundig "Hot springs surrounded by the nature, the best spa in the Orient!" Dieser Werbespruch stimmt weitgehend. Ein Becken ist heisser als das andere, es gibt saures, alkalisches, schärferes und milderes Wasser, Liegebecken, Tretbecken, Becken aus Naturholz, Pavillons, nach Geschlechtern getrennte und gemeinsame Badebereiche. Vor jedem Becken ist die Heilwirkung, die das Wassers auf den Körper hat genau beschrieben. Bei jeder Krankheit hilft ein spezielles Mineralwasser. Eine grosse Glaswand bietet Ausblick auf einen qualmenden Vulkan und kahle, dampfende Flächen. Nach Stunden verlasse ich total aufgeweicht das Bad, um noch einige Stunden durch die Vulkanlandschaft mit ihren blubbernden Seen zu spazieren. Die Heimfahrt in goldener Sonne verläuft unter tiefblauem Himmel mit grossartiger Fernsicht auf die Berge und in die weite Landschaft Hokkaidos. Das Licht ist weicher, weiter und tiefer, wie es nur in nördlicheren Regionen der Erde strahlen kann. Ich fühle mich hier sofort heimisch.

Die Leute von Hokkaido sind etwas anders als die übrigen Japaner, sie identifizieren sich auch nicht so sehr mit den Bewohnern der Hauptinsel Honshu. Hier baut man das bessere Japan auf (aus japanischer Sicht), will alles "ganz neu" und besser machen. Reste der Ainu-Welt (Ainu sind die der sibirischen Kultur zugehörigen und mittlerweile ausgerotteten Ureinwohner Nordjapans) werden flugs museal japanisiert, ansonsten hat Hokkaido "keine Vergangenheit". In einigen Orts- und Pflanzennamen, für die es keine japanischen Namen gab, sind Überreste der Ainu-Sprache zu finden. In der Tat zeigt Hokkaido etwas weniger Verkrustungen und Fussangeln der japanischen Gesellschaft. Die Menschen sind offener und flexibler, sie gehen wissentlich andere Wege als im übrigen Japan. Ganz im Gegensatz zu Tohuku, dem nördlichen Honshu, das Hokkaido gegenüber liegt. Diese Region macht mehr den Eindruck eines Schrottplatzes für den Rest von Japan (die es dort wegen der niedrigen Landpreise wirklich in grosser Zahl gibt), ist verrotteter und mit vielen langlebigen Minderwertigkeitskomplexen beladen. Tohuku war wirtschaftlich immer benachteiligt und wurde als agrarorientiertes Hinterland betrachtet, seine Bewohner als Hinterwäldler. Die grosse Stadt Aomori leistet sich beispielsweise den Luxus, im Vorzeigehochhaus mehrere Stockwerke ausschliesslich für die Präsentation lokaler Firmen zu reservieren. Aomori will zeigen, dass es eine leistungsfähige Industrie besitzt und möchte auch als High-Tech-Standort gesehen werden. Überall in Japan stellt man stolz die lokal erzeugten Agrarprodukte aus, aber in Aomori sind sie besonders aufwendig dargeboten. Es sind vor allem Äpfel: Früchte, Mus, getrocknet, als Apfelwein, Apfelessig, Schnaps nach Calvados-Art, Likör, Apfelsaft, eingedickt als Süssungsmittel, in Stücken eingedost, als Bonbons - jedes Produkt aus und mit Äpfeln, das man sich vorstellen kann. Auch berühmte "Kinder" der Stadt sind noch überhöhter gezeichnet als sonstwo.

Bei Familie Okajima bin ich als Gast wirklich König. Es wird europäische Küche mit japanischen Variationen gekocht, liebevoll garniert, präsentiert und serviert. In Sapporo trifft mich der "Japan-Effekt" besonders. Es sind immer die aufsummierten Kleinigkeiten: Die selbstleuchtende Kordel der Nachtlampe, der Bahnbeamte, der meine hingekritzelten Ankunftszeiten für die Fahrkartenreservierung mit dem Filzstift um zwei Minuten korrigiert, der kleine Umweg des Vaters, um mir noch einen Blick auf "seine" Universität zu ermöglichen, die Familie, die mir zuliebe eine halbe Stunde früher aufsteht. Und vor allem die Fernsehbilder aus dem Ausland - sie wirken unglaublich fern von der Insel Japan aus gesehen und noch entfernter von Hokkaido. Die Welt da draussen ruft intellektuelle Reaktionen hervor, aber keine emotionalen wie in Europa. Wenn man von hier aus zusieht, wie sich andere in vollstem Bewusstsein selbst zugrunde richten, entwickelt man unwillentlich ein ganz anderes Verhältnis zur übrigen Welt. Darin besteht ein grundsätzlicher Unterschied zu Europa. Die Absage von Festen wegen des Golfkrieges? So lächerlich, dass man nicht einmal die Vorstellung davon versteht. In Jugoslawien schlagen sich ehemalige Nachbarn den Schädel ein, man fährt am Wochenende zur Front? Genozid in Afrika? Völliges Unverständnis auf der kleinen Insel im Nordpazifik, die nie eine Landgrenze zu anderen Staaten hatte oder unter fremder Herrschaft stand. Es gibt fast keine echten Brüche, nur fliessende Übergänge, die aber wesentlich mehr Dynamik entwickeln als die meisten Brüche der europäischen Geschichte. Japan kennt keine Völkerwanderung, Kriege im eigenen Land, Erbfeinde oder gar Vernichtung der Bevölkerung in eroberten Gebieten, wie sie im angeblich zivilisierten Europa bis heute dauernd stattfindet. Gewiss verändert sich auch die japanische Gesellschaft stark, aber zu Turbulenzen kommt es immer nur in kleinen Bereichen, nie im sich ständig drehenden Kern.

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