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Tips für einen Besichtigungs-
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Nach der Besichtigung eines WG-Zimmers kommt es viel häufiger vor, daß die Interessenten kalte Füße bekommen als daß die WG-Bewohner jemand ablehnen. Die meisten Besichtigungstermine erübrigen sich bereits beim ersten telefonischen Kontakt, wenn "Grundparameter" wie genaue Kosten oder Zimmergrösse nicht stimmen. Das spart Zeit und Mühe für beide Seiten. Erschreckend viele Interessenten scheinen Zimmerangebote gar nicht durchzulesen, sondern rufen einfach an.

Findet eine Besichtigung statt, setzt man sich nach Ansicht der Räume für gewöhnlich zusammen. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, die handfesten Grundlagen der Wohngemeinschaft zu erfragen oder mitzuteilen - beim Einzug ist es dafür zu spät. Der Interessent bekommt damit etwas Konkretes an die Hand, an das er sich halten kann. Diese Entscheidungshilfe ist wichtig für die letzendliche Frage, ob er in dieser WG leben möchte oder eben nicht. Beispiel für wichtige Fragen, die vorab geklärt werden:

  • Wie sind Hausputz, Gemeinschaftseinkauf/ -kassen und Küche geregelt? Funktioniert das alles oder führt Berufs- oder Freizeitstreß regelmäßig zu Ausnahmen?
  • Wo liegen zusätzliche Kosten? Sind Zeitungen abonniert, gibt es einen ISDN-Anschluß, ist die WG Gruppenmitglied in einem Verein?
  • Wird der Gemeinschaftraum allgemein genutzt? Stören nächtliche Skatrunden oder längere Feten mit Freunden? Gibt es für laute Feten noch andere Räume, eventuell einen großen Keller?
  • Stellplatz für vierrädriges Blech? Möglichkeiten ein Fahrrad unterzustellen, ohne daß es im Winter zusammenrostet?
  • Glimmstengel im Haus? Wie handhabt man rauchende Gäste?
  • Wie ist das mit dem Mietvertrag organisiert? Sind alle Kosten transparent?

Anschließend über die Organisation und die Entwicklung der WG zu sprechen, enthüllt viel mehr über die Bewohner als die jeweiligen Hobbies, den Beruf oder individuelle Lebensgewohnheiten auszubreiten. So kann man eher ein Gefühl dafür entwickeln, ob das Zusammenleben klappen könnte. Es kommt jetzt nicht darauf an, einen möglichst offenen Seelenstrip hinzulegen und dies ist auch kein erstes Treffen aufgrund einer Partnerschaftsanzeige, sondern es geht um die Aufnahme in eine Wahlfamilie. Auch für die WG-Bewohner selbst können solche Gespräche interessant werden, weil sie eventuell eigene Defizite vorgehalten bekommen. Bei ihnen haben sich vielleicht einige schlechten Zustände eingefahren und verdichtet. Die unbedarfte Frage eines Außenstehenden kann sie wieder zum Thema machen.

Vorsicht ist in Gegenden mit engem Wohnungsmarkt angebracht. Dort besteht ein hoher Anteil von Zimmerinteressenten leider aus Leuten, die nach erfolgloser Wohnungssuche immer verzweifelter irgendwo unterkommen müssen und sich notgedrungen schliesslich auch für WG-Zimmer bewerben. Leute, die WGs als zweitklassigen Ersatz und eventuell nur als Basis für die Suche nach einer neuen Wohnung sehen, sind keine guten Mitbewohner.

Und zum Schluß ein Tip, den man bei jeder größeren Entscheidung beherzigen sollte: Notizen machen, alles überschlafen und Bescheid geben, wenn man weiter auf der Interessentenliste stehen bleiben will. Wenn nicht, erübrigen sich Absage-Anrufe. Wer sich nicht mehr meldet, hat kein Interesse mehr.

Hat man sich an einen WG-Interessenten angenähert, trifft man sich nochmal. Geht dabei alles glatt, kann man nahtlos zu den Einzugsformalitäten überwechseln:

  • Exakte Adresse und Telefonnummer sagen sofern noch nicht geschehen; bisherige Adresse und Erreichbarkeit des neuen Mitbewohners erfragen für eventuelle Rückfragen bis zum Umzug
  • Schlüsselübergabe regeln. Muss ein neuer Schlüssel angefertigt werden?
  • Genauen Zeitpunkt und Modalitäten des Um-/Einzugs regeln
  • Hauskontonummer, Zahlungsmodus für Miete und eventuell Kaution besprechen
  • Wie soll das Zimmer übergeben werden? Macht jemand Schönheitsreparaturen, welche Möbel bleiben drin, will der alte Bewohner Dinge an den neuen loswerden?
  • Mietvertrag unterschreiben.

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