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Meine Wohngemeinschaft

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Wer paßt zusammen, wie findet man Mitbewohner

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"Gleich und gleich gesellt sich gern." Gilt das auch für Wohngemeinschaften? Die Antwort: Es kommt darauf an.

Ausgelebte Freiheiten, die mit den Freiheiten anderer interferieren, werden immer ein Problem sein. Kettenraucher und Nichtraucher haben vermutlich Schwierigkeiten miteinander. Um die gleichen Ressourcen konkurrierende Lebensstile kann man in einer WG schlecht gleichzeitig pflegen. Stark auseinanderliegende Altersgruppen erleben mit höherer Wahrscheinlichkeit Interessenkonflikte (aber nicht grundsätzlich!).

Anders sieht es mit unterschiedlichen geistigen Welten der Bewohner aus. Kann zum Beispiel eine Lehrerin, ein selbständiger Steuerberater und eine Studentin eine gut laufende Wohngemeinschaft führen? Die Antwort: Ja, auf jeden Fall. Die Fähigkeit und der Wille, gemeinsam zu wohnen (oder das zu lernen), ist unabhängig von beruflicher Orientierung und fast unabhängig von Interessenlagen. Im Gegenteil, gerade die Mischung kann eine WG interessant machen. Wahrscheinlich wäre es für die Lehrerin viel unangenehmer, nur mit Lehrern zusammenzuwohnen.
Küchenbanausen machen durch die Kochbegeisterung der Mitbewohner ganz neue Erfahrungen, ein Autofan schwingt sich vielleicht aufs Fahrrad, wenn er sieht wie fix und effektiv die anderen damit ans Ziel kommen. Mit unterschiedlichen Menschen zusammenzuwohnen, ist eine Chance und kein Fluch. Schließlich ist eine Wohngemeinschaft keine Lebensgemeinschaft auf ewig, bei unüberbrückbaren Problemen zieht man eben weiter - wie aus jeder anderen Wohnung auch, wenn die Nachbarn zu sehr auf die Nerven gehen.

Mit Freunden zusammenzuziehen, geht überraschend oft schief. In Freundschaften ändert sich sehr viel, wenn man plötzlich nahe zusammenlebt, Bad und Küche miteinander teilt. Neue, unentdeckte Seiten der Freunde tauchen auf, nicht immer nur positive, und der Kontrast zu vorher kann zu Brüchen führen. Dann zerbricht nicht nur die Freundschaft, sondern auch die Wohngemeinschaft. Das Verhältnis zu den Mitbewohnern ist auf einigen Ebenen intensiver als zu Freunden. Einen Freund KANN man sehen, Mitbewohner MUSS man sehen, egal wie gut oder schlecht es gerade geht. Nach einem Mißton sieht man sich in einer Freundschaft eben eine Zeitlang nicht. Mitbewohner müssen ihre Probleme viel aktiver ausräumen.

Ein Szenario für eine WG-Gründung könnte so aussehen: Jemand mietet sich mit einem Bekannten eine größere Wohnung und sucht sich anschließend über Anzeigen, Aushänge und Mundpropaganda zusätzliche Mitbewohner. Suchanzeigen könnte man in lokalen Newsgruppen, Stadtmagazinen, Anzeigenblättern (sofern sie einen brauchbaren lokalen Anzeigenteil besitzen), als Aushang in Hochschulen und natürlich den Zillionen Internetbasierten-Wohnungsvermittlungen plazieren. Wer Interesse hat, kommt eben mal vorbei, sieht sich die Wohnung an und bespricht alles in Ruhe bei einer Tasse Tee. Es ist nicht so schwer, ein Gefühl dafür zu entwickeln, mit wem das Unternehmen Wohngemeinschaft funktionieren könnte. Wenn beide Seiten die Sache überschlafen haben und immer noch ein gutes Gefühl miteinander haben, setzt man sich eben nochmal zusammen und organisiert später eventuell den Einzug. So könnte auch ein Wechsel innerhalb einer bestehenden WG gehandhabt werden.

Leute, die stark an Einzelaspekten interessiert sind - zum Beispiel den finanziellen Vorteilen der Wohnform "Wohngemeinschaft", werden in einer WG nicht glücklich. Die Hoffnung, eine reine "Zweck-WG" zu führen ist trügerisch. Es mag WG-ähnliche Wohnheime geben, aber "Zweck-WGs" existieren nie lange, denn sie sind ein Widerspruch in sich. WG-Gründungen mit diesem Vorzeichen ersticken fast ausnahmslos am Egoismus der Bewohner.

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