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Vorbeugen ist einfacher als über einmal eingetretene üble Zustände zu greinen. Hier einige Organisationstips:

Die Verhältnisse in der Küche können zu einer steten Quelle von Diskussionen werden und Verhaltensregelungen erfordern. Was offen herumsteht, darf auch von jedem gegessen oder benutzt werden, der ungefragte Griff ins Privatfach sollte unter allen Umständen unterbleiben. Auch hier sind es wieder die Kleinigkeiten, die sich zu einem großen Problem aufblähen können: Jemand nimmt sich etwas Butter aus dem Kühlschrank des Mitbewohners, denkt sich nichts schlimmes dabei. Eine Stunde später ärgert sich dieser Mitbewohner gewaltig, weil er mangels genügend Butter den geplanten Kuchen nicht mehr backen kann. Finger weg von privaten Bereichen, zum Kochen gehört auch das Einkaufen. Schnorren ist kein Ersatz für selber einkaufen: Leute, die höflich fragen, ob sie etwas nehmen dürfen, nerven mit der Zeit genauso. Wird gemeinsam gekocht oder jemand zum Essen eingeladen, machen diejenigen sauber, die nichts beigetragen haben: "Wer kocht, spült nicht." Oder andersherum: "Wer nicht kocht, spült (wenigstens) ab."

Beschlüsse, die alle betreffen auch nur gemeinsam fassen. WG-Versammlung in größeren WGs besser mit einem richtigen Termin organisieren, sonst sind nie alle da.

Bei der Anmeldung eines gemeinsamen Telefons oder dem Abonnement einer Tageszeitung sollte man keine konkreten Namen von Mitbewohnern angeben, sondern den Namen der Wohngemeinschaft, z.B. "Wohngemeinschaft Speerstraße". Allerdings besteht angeblich - seit die Telekom die gute alte DBP ersetzt hat - nicht mehr die Möglichkeit, sich als Wohngemeinschaft ins Telefonbuch eintragen zu lassen. Im Zweifelsfalle also genauer nachhaken und insistieren. Denn Mitbewohner ziehen aus, neue ziehen ein, die Namen ändern sich ständig. Und sobald ein Telefonanschluß auf einen neuen Namen umgemeldet wird, ist je nach Laune des Sachbearbeiters eine saftige Gebühr fällig. Nämlich dann, wenn die Ummeldung - die kostenfrei angeblich nur innerhalb einer biologischen Familie möglich ist - als Neuanschluß gewertet wird. Die Situation wird in der Praxis sehr unterschiedlich behandelt und die Möglichkeiten den Kunden der Telekom bewußt falsch vermittelt, Informationen vorenthalten. Bei Zweier-WGs bietet es sich an - falls die Sachbearbeiter der Telekom sich weigern, einen WG-Eintrag zu akzeptieren - beide Namen einzutragen. Zieht einer aus, wird wenigstens nicht die Gebühr für den "Neuanschluß" fällig, es muß lediglich der Eintrag geändert werden.

Manche lokale Internet-Provider bieten Tarife für Wohngemeinschaften, das ist auf jeden Fall günstiger als wenn sich jeder getrennt anmelden würde. Vielleicht lohnt sich in einer großen WG eine Standleitung fürs Internet oder ein ADSL-Anschluss. Ein ISDN-Telefonanschluß ist in jedem Fall günstiger als zwei analoge Einzelanschlüsse. Da das Volumen der Telefonrechnung naturgemäß größer sein wird, lohnt sich ein Wechsel zu geeigneten Telefongesellschaften ganz besonders. Für die korrekte Abrechung innerhalb der WG benötigt man einen Einzelverbindungsnachweis. Selbst diesen Aufwand kann man einsparen, wenn genügend ISDN-Nummern vorhanden sind. Jeder hat sein eigenes Telefon mit persönlicher MSN oder das Gemeinschaftstelefon wird vor der Nummernwahl auf die eigene MSN eingestellt. Manche Modelle lassen das per Funktionstaste ohne viel Tipperei zu. Wer sich auf Eintragungen in Listen verlassen muss, findet hier ein Beispiel: Einmal als PDF-Datei und als gif-Bild.

Exotischere Lösungen sind Münz- oder Kartentelefone ("Clubtelefon"). Oder es wird ganz auf einen Festnetzanschluss verzichtet und jeder brüllt sein Handy an.

Es zahlt sich immer aus, gemeinsam zu agieren: Sammelbestellungen, gemeinsame Zeitschriften, Car Sharing, Gemüseabonnements, übertragbare Fahrausweise sind nur einige Möglichkeiten für Vorteile in Wohngemeinschaften. Job-Tickets von Firmen sind oft übertragbar, ein Bewohner fährt damit morgens zur Arbeit, abends nimmt es ein anderer Mitbewohner für die Fahrt zum Kino.
Sich vor Gründung der WG genau zu überlegen, was man anschafft, ist übertrieben. Erst wenn man wirklich zusammenwohnt stellt man fest, was man wirklich braucht.

Ein wichtiger Punkt ist die Definition von "privat" und "öffentlich", die in jeder WG je nach den Bedürfnissen der Bewohner verschieden sein kann. Hier ein Beispiel, wie so etwas aussehen kann:

Privatzimmer sind absolut privat, wenn die Türe geschlossen ist. Will jemand mit dem Bewohner reden, wartet man lieber, bis er von selbst herauskommt, bevor man klopft. Steht die Tür offen, heißt das "komm gern herein, ich freue mich darüber". WG-öffentliche Bereiche können nach Belieben benutzt werden, aber größere Privatgegenstände dürfen nur im Konsens mit den Mitbewohnern abgestellt werden. So verhindert man, daß das gemeinsame Wohnzimmer langsam mit Privatkrempel zugemüllt wird. Was öffentlich herumsteht, kann auch von jedem benutzt werden.

Gemeinschaftlich benutzte Fächer, Flächen oder Keller haben die starke Tendenz, mit vergessenen Dingen zu verrümpeln. Es ist wie im real existierenden Kommunismus: Was jedem gehört, gehört auch keinem, niemand fühlt sich dafür verantwortlich. Deshalb sollten auch in den gemeinsamen Flächen so weit wie möglich privat benutzte Bereiche zugeteilt werden und regelmäßige gemeinsame konsequente Entrümpelungen stattfinden. Die Regelung wird um so wichtiger, je größer die WG ist, in Zweier-WGs kann sie ganz entfallen. Den Kellerraum besser aufteilen und nicht einfach vollstellen. Das mag sich übertrieben anhören, aber schon nach einem Jahr oder einigen Aus- und Einzügen weiß niemand mehr, wem was gehört und man wundert sich nur noch, warum sich so viel Sperrmüll unklarer Herkunft angesammelt hat.

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